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Calais Corona Grande-Synthe

Videobericht über Calais und Grande-Synthe

Ein Video vermittelt eine visuelle Vorstellung von der Situation in den Camps von Calais und Grande-Synthe. Es begleitet Aktivit_innen von Utopia 56 und Care4Calais bei ihren Aktivitäten in Calais und Grande-Synthe. Zu sehen sind u.a. die ausgedehnten Zeltcamps des Jungle von Calais und die in den Hallen von La Linière errichteten Camps in Grande-Synthe.

Da der Film nur in französischer Sprache zur Verfügung steht, hier eine inhaltliche Zusammenfassung:

In Calais leben vier Jahre nach der Auflösung des damaligen, bislang größten Jungle im Jahr  2016 über 1.000 Migrant_innen in neu gebildeten Camps, zu nah beieinander mit unzulänglichen Sanitäranlagen (einige Toiletten aber nur eine Wasserstelle) und unzureichender Lebensmittelversorgung (viele klagen über Hunger). Durch die Ausgangsbeschränkungen sind weniger freiwillige Helfer_innen vor Ort als vorher.

In Grande-Synthe ist es viel schlimmer, der „Horror pur“ laut Utopia 56. Dort befinden sich mehrere Hundert Migrant_innen mit Kindern in zwei ehemaligen Lagerhallen inmitten von Schutt und Abfall; die meisten von ihnen sind Kurd_innen aus dem Irak.

Zwei Fälle von Infektion mit Covid-19 gab es hier.

Das Video zeigt die britische NGO Care4Calais, wie sie darauf achtet, dass bei der Lebensmittelverteilung ein Mindestabstand gewahrt wird.

Ein Bewohner berichtet, dass er selbst versuche, Hygieneregeln einzuhalten (er wäscht sich das Gesicht 2-3 Mal/Tag und die Hände vor dem Essen), aber er glaube, dass einige sich dessen nicht bewusst seien. Diese Epidemie sei wegen des Schmutzes noch gefährlicher für die Campbewohner_innen.

Ein anderer meint sarkastisch, wenn das Virus das Camp erreichen sollte, werde es „bestimmt nicht bleiben, sondern abhauen würde“, weil es zu dreckig sei …

Ein Bewohner zeigt eine behelfsmäßige Dusche, die von 20 Menschen genutzt wird. Für ihn stelle das Virus eine große Gefahr dar; aber eigentlich sei für die Bewohner_innen alles gefährlich. Falls einige im Camp am Virus erkranken sollten, hofft er, dass sie dann medizinisch versorgt werden.

Viele haben Angst, weil sie gehört haben, dass es viele Corona-Erkrankte in Frankreich gibt.

Freiwillige berichten, dass die Einhaltung der Abstandsregeln kompliziert sei, weil die Bewohner_innen zusammen kochen und essen und die Kinder zusammen spielen. Sie hätten zwar Angst vor dem Coronavirus, aber ihre größere Furcht ist, am Hunger zu sterben.

Die Präfektur hat Unterkünfte in Hotels und Unterbringungszentren organisiert, etwa 20 Familien sind umgezogen. Aber hier wie auch in Calais sind den Meisten die neuen Unterkünfte zu weit von der Grenze entfernt. Da sich die Witterung in den letzten Wochen gebessert hat, versuchen nun jeden Tag Dutzende Migrant_innen, über das Meer nach England zu gelangen.