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Calais

Mohamed Khamisse Zakaria

Mohamed Khamisse Zakaria. (Foto: Libération / https://twitter.com/libe/status/1332028229784195072)

Wie wir an dieser Stelle bereits berichteten, starb am 19. November ein junger Sudanese auf der Autobahn A 16 bei Calais (siehe hier). Inzwischen ist bekannt, dass es sich um Mohamed Khamisse Zakaria handelt. Weggefährten von ihm haben einen Nachruf veröffentlicht, den wir in deutscher Übersetzung dokumentieren.

Gemeinsame Ehrung für Mohamed Khamisse Zakaria: Das Ende eines Traumes

Am 19. November 2020 hat auf der A 16 ein junger Sudanese mit 20 Jahren das Leben und damit all seine Träume verloren. Er war unser Landsmann, unser Bruder, unser Freund.

Mohamed wurde von einem Auto angefahren, als er versuchte, CS-Gas von Polizisten von dem Heck eines LKWs aus zu entgehen – ein LKW, der seinen Wunsch verkörperte, England so schnell wie möglich zu erreichen.

Wie seine Freunde aus demselben Land hatte Mohamed seine Familie verlassen, die in einem Flüchtlingslager im Darfur (Sudan) gefangen war, um mit viel Mut sein Glück nach Europa zu versuchen. Er konnte sich nicht vorstellen, Asyl in Frankreich zu beantragen, wo all seine Landsleute sich „unerwünscht“ fühlen. Er wählte ein anderes Ziel, das ihm zum Verhängnis wurde.

Mohamed Khamisse Zakaria wird im Sudan von seinen Eltern und Verwandten beweint und hier – an der Grenze zum Vereinigten Königreich – von uns, seinen Freunden. Wir haben seine Eltern angerufen, um sie über den Todesfall zu informieren. Wir haben den Schmerz und die Verzweiflung einer Mutter gehört. Die Freiwilligen der Hilfsinitiativen standen uns zur Seite. Mohamed vereint uns. Wir alle haben den starken Lebenswillen, den er hatte.

Seine zwanzig Lebensjahre appellieren an unsere Herzen, unsere Gewissen und das Gewissen der Menschheit. Daran anknüpfend ist hier unser Appell, der Appell der Exilierten in Calais: „Wir wissen nicht, was wir tun sollen; wir möchten auf legalem Weg zum Vereinigten Königreich; wir träumen von einem menschenwürdigen Leben. Die Umstände schwächen uns, aber unsere Herzen sind stark, und Hoffnung treibt uns dazu, Grenzen zu überqueren. Sie wissen doch, dass unser Land von Krieg und Ungerechtigkeit seitens Regierungsmitglieder geplagt ist. Sie wissen doch, dass wir hier aus der Not heraus am Ende eines leidvollen Weges gelandet sind. Mögen die Polizei und die Regierung dies verstehen. Warum werden wir auf der Autobahn verjagt, wenn alle LKWs an der Zufahrt nach England ohnehin gründlichen Kontrollen mittels Detektionssystemen sowie durch Sicherheitsbeamte mit Hunden unterzogen werden?“

Oh, Du Abwesender und doch Gegenwärtiger, durch Deine Stimme, Deine Seelengröße gelangt ein Hauch von Deinen Lippen zu uns, entstehen von unserer Hand diese Zeilen, gefüllt mit den Farben von Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit.

Mohameds Wegbegleiter

(Übersetzung: Nicole Guyau, Brigitte Vogt-Klein)