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Channel crossings & UK

Belegung der Bibby Stockholm verschoben

[Update: Nach der unten beschriebenen Verschiebung begann die Belegung des Schiffs am 7. August 2023 mit zunächst 15 Personen. Zwanzig weitere verweigerten offenbar die Unterbringung. Wenige Tage später wurden auf dem Schiff Legionellen festgestellt und die inzwischen 39 dort untergebrachten Personen wieder verlegt. Ende August war das Innenministerium auf eine Medienanfrage noch nicht in der Lage, irgendeinen Zeitrahmen für die Belegung des Schiffs anzugeben.]

Das im Hafen von Portland liegende Schiff Bibby Stockholm sollte am 1. August 2023 mit den ersten – je nach Quelle – 40 oder 50 von insgesamt über 500 Geflüchteten belegt werden. Es ist Teil einer neuen Infrastruktur lagerartiger Massenunterkünfte für Menschen, die per Schlauchboot den Ärmelkanal überquert haben (siehe hier und hier). Erfolgt ist die Belegung bislang nicht, nachdem die Fire Brigades Union (FBU) auf Sicherheitsrisiken hingewiesen hatte. Gleichwohl hält die Regierung an einer kurzfristigen Inbetriebnahme der Massenunterkunft fest.

Britischen Medien zufolge hatte sich die Feuerwehr-Gewerkschaft FBU an die Regierung gewandt und gewarnt, das Schiff könne sich im Brandfall als eine tödliche Falle erweisen. In der Berichterstattung findet sich der Vergleich mit dem Brand des Greenfell-Tower in London, bei dem 2017 wegen massiver Brandschutzmängel 72 Menschen starben. Die Befürchtungen der Gewerkschaft gründeten sich u.a. auf der geplanten Überbelegung des für 222 Menschen geplanten Schiffs mit 506 Personen. „Das wirft für uns erhebliche Bedenken hinsichtlich des Brandschutzes auf, und auch hinsichtlich der Frage, ob die Feuerwehr im Falle eines Brandes auf der Bibby in der Lage wäre, die notwendigen Rettungsmaßnahmen durchzuführen und sich Zugang zu verschaffen“, so der stellvertretende Gewerkschaftssekretär Ben Selby.

Die Verlegung der ersten Geflüchteten wurde daraufhin zunächst um einen Tag auf den 2. August verschoben. Wie BBC berichtet, geht das Innenministerium nach einer kurzfristigen Überprüfung des Brandschutzes nicht davon aus, dass das befürchtete Sicherheitsrisiko besteht. Dennoch erfolgte die Belegung auch zum neuen Termin nicht, sondern wird für die zweite Augustwoche angekündigt. Begründet wird die erneute Verschiebung mit einzuhaltenden Formalitäten.

Da die Bibby Stockholm für die Stop the boats-Kampagne von Premierminister Sunak eine hohe symbolische Bedeutung besitzt, wurde die Intervention der Feuerwehrgewerkschaft landesweit wahrgenommen. Um den erneuten politischen Imageschaden zu begrenzen, verwies das Ministerium übrigens darauf, dass das Schiff in Deutschland bereits für die Unterbringung von Asylsuchenden verwendet worden sei. Nur: Dies war in den 1990er-Jahren und die Bibby Stockholm war damals noch neu.