In den Nachtstunden des 29. August wurde in Calais erneut ein Geflüchteter tot aufgefunden. Es war ein junger Mann aus dem Sudan, der vermutlich gewaltsam zu Tode kam. Französische Medien sehen einen Zusammenhang mit gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Exilierten, die sich Stunden zuvor in der Nähe des Fundorts der Leiche zugespitzt hatten.
Der Tote wurde, so die Zeitung La Voix du Nord, in der Nacht zum 29. August gegen 3 Uhr vom Wachmann eines privaten Unternehmens entdeckt. „Dieser fand die Leiche auf dem Industriegelände des Abfallentsorgers am Ende der Rue Monod. Die Polizei wurde dorthin mobilisiert, ebenso wie die Rettungskräfte, die nur noch den Tod des Opfers feststellen konnten.“ Der Fundort befindet sich im gewerblich geprägten Westen von Calais, wo sich seit Jahren mehrere informelle Lebensorte Geflüchteter befinden.
Über die Identität des Toten wurde publik, dass es ein Mann in den Zwanzigern ist. Er „kam wahrscheinlich aus der sudanesischen Gemeinschaft“, die im dortigen Gewerbegebiet Zone Marcel Doret lebt.
Der Mann wies „zahlreiche Kopfverletzungen“ auf. Die Zeitung weist darauf hin, dass es dort zuvor heftige „Spannungen zwischen den Gemeinschaften der Exilierten“ gegeben habe. Am Abend des 28. August, also wenige Stunden vor dem Auffinden des Toten, hätten Rettungskräfte gegen 23.30 Uhr „einen Notruf wegen verletzter Personen“ nach einer Schlägerei erhalten, doch hätte die mobilisierte Feuerwehr kein Opfer gefunden.
Die Polizei sprach Medienberichten zuvolge von einer Auseinandersetzung zwischen etwa 50 Migrant_innen, die gegen 1 Uhr von der Polizei beendet worden sei. „Früher am Tag waren Polizei und Feuerwehr in demselben Gebiet bereits wegen einer anderen Schlägerei zwischen Exilierten eingeschritten. Vor Ort hatten die Rettungskräfte zwei Verletzte mit Stichwunden versorgt. Es handelte sich um zwei Sudanesen, einer 15 Jahre und der andere 26 Jahre alt […]. Das erste Opfer hatte Wunden am Kopf und am Unterarm, das zweite Opfer hatte mehrfache Schnittwunden. Beide wurden in das Krankenhaus der Stadt gebracht. […] Am vergangenen Wochenende wurden in derselben Gegend sechs Personen mit Messern verletzt“, fasst das Onlinemedium InfoMigrants zusammen.
Die Spannungen bestanden offenbar zwischen Geflüchteten sudanesischer und eritreischer Nationalität. Der Auslöser der Gewalt ist nicht bekannt. Spekuliert wird, ob die für Bootspassagen ungünstigen Wetterbedingungen einen Einfluss gehabt haben könnten. Allgemein gelten die extremen Lebensumstände, ein hohes Stressniveau und Verteilungskämpfe um knappe Ressourcen als Gründe der von Zeit zu Zeit in ähnlicher Form aufbrechenden Gewalt zwischen Gruppen unterschiedlicher Nationalität.
Laut Utopia 52 ist es der 31. Todesfall im Zusammenhang mit der Migration auf der Kanalroute seit Jahresbeginn. Für den Abend des 31. August rufen zivilgesellschaftliche Gruppen in Calais zu einem solidarischen Gedenken auf.