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Opfer der Eskalation in Loon-Plage gestorben

Zwei Personen, die im Zuge der jüngsten Gewaltakte im Jungle von Loon-Plage schwer verletzt wurden, haben ihr Leben verloren. Wie die Zeitung La Voix du Nord berichtet, handelt es sich um einen der beiden Männer, die bei einer mutmaßlichen Racheaktion im Jungle von Loon-Plage schwer verletzt wurden, sowie um einen Mann, der dort auf offener Straße niedergeschossen wurde. Währenddessen räumten die Behörden den Jungle ein weiteres Mal.

Die Zeitung datiert die Auseinandersetzungen, bei denen die beiden Männer tödlich verletzt wurden, auf den 30. August 2022. Dies scheint jedoch ein Fehler zu sein: Zwar gab es an diesem Tag neun Verletzte bei einem bewaffneten Überfall, der offenbar der sudanischen Community im Camp galt (siehe hier). Die Beschreibungen der Taten, denen die beiden Männer zum Opfer fielen, entsprechen jedoch den Geschehnissen am 6./7. September (siehe hier).

In der Nacht vom 6. auf den 7. September war einem Mann in die Brust und einem anderen in den Kopf geschossen wurden. Unter Berufung auf die Behörden sprach die Presse von einer regelrechten Hinrichtung. Einer der beiden Verletzten starb nun am 9. September im Krankenhaus von Lille. Er war derjenige, dem in den Kopf geschossen worden war. Auch stellte sich heraus, dass er nicht sudanischer Nationalität war, wie zunächst gemeldet wurde, sondern äthiopischer. Weitere Informationen über seine Identität wurden bislang nicht publik. Wie das Blatt außerdem berichtet, ist der Zustand des zweiten Opfers dieser Gewalttat weiterhin ernst.

Das zweite Todesopfer ist offenbar der kurdische Mann, der am Mittag des 7. September auf einer Straße im Jungle niedergeschossen worden war. Über ihn berichtet das Blatt: „Der Zustand des 22-jährigen Kurden, der am nächsten Mittag im Camp Loon-Plage eine Kugel in den Kopf bekommen hatte, verbesserte sich nicht. Da er hirntot ist, könnte er in den nächsten Stunden für tot erklärt werden.“

Die Ermittlungen der Behörden wurden nun von Mordversuch auf Mord heraufgestuft. Zweifelhaft scheint weiterhin, ob die beiden Taten am 6./7. September miteinander im Zusammenhang stehen oder unterschiedlichen Konfliktkonstellationen zuzuordnen sind.

Die Behörden räumten, wie im Anschluss an frühere Eskalationen, am Morgen des 8. September mit einem Aufgebot von 200 Polizist_innen den Jungle. Es dürfte sich vor allem um eine symbolpolitische Operation gehandelt haben, um der Öffentlichkeit Stärke zu demonstrieren: „Fast 700 Migranten wurden evakuiert und ihre Zelte zerstört. Sechsundsechzig Migranten fanden sich bereit, um in Bussen zu Aufnahmezentren und Notunterkünften zu fahren. Siebenundvierzig Migranten wurden festgenommen, unter anderem aufgrund von Verboten, auf französischem Hoheitsgebiet zu bleiben“, so La Voix du Nord.

Für die Aufklärung der Morde/Mordversuche dürfte die Räumung bedeutungslos sein. Ebensowenig kann ein solches Vorgehen die Sicherheit im Jungle, der erwartungsgemäß wieder besiedelt wird, verbessern. Vielmehr erhöht die Zerstörung der Zelte und anderer Subsistenzgüter die Prekarität der Bewohner_innen zu einem Zeitpunkt, an dem sich ein Teil der zivilgesellschaftlichen Helfer_innen angesichts der Eskalation zurückzuziehen scheint, andere jedoch ihre Tätigkeit fortführen (siehe hierzu InfoMigrants).