Die Zahl der Exilierten, die innerhalb einer Woche an der nordfranzösischen Küste starben, erhöht sich auf vier. Bereits am 19. und 20. März hatten zwei Menschen auf See ihr Leben verloren (siehe hier). Am 21. März wurde ein junger Migrant erhängt in einem Dünengebiet bei Tardinghen aufgefunden und am 24. März an einem Strand bei Calais der leblose Körper einer Frau entdeckt.
Tardinghen liegt westlich von Calais zwischen den beiden Kaps, die auf französischer Seite die engste Stelle des Ärmelkanals markieren. Wie die Zeitung La voix du Nord unter Berufung auf Staatsanwaltschaft und Polizei meldet, entdeckte ein Spaziergänger dort am Morgen des 21. März unweit Strandes von Châtelet die Leiche eines etwa zwanzig Jahre alten Exilierten. Über seine Identität wurde nichts Näheres bekannt.
Der Mann wurde erhängt aufgefunden. Es gebe, so Staatsanwalt Guirec Le Bras, „derzeit keine Hinweise auf ein Einwirken Dritter“. Dies könnte auf einen weiteren Suizid eines Geflüchteten hindeuten. Allerdings verweist der Staatsanwalt auf die noch ausstehende Untersuchung der Leiche und scheint auch andere Möglichkeiten nicht auszuschließen. Die Zeitung zitiert ihn mit der Bemerkung, es sei „ziemlich verstörend“ (assez troublant), eine ausländische Person an diesem Ort erhängt zu finden.
Drei Tage später, am 24. März, wurde in der Nähe des Leuchtturms Phare de Walde der leblose Körper einer Frau entdeckt. Der Leuchtturm befindet sich einige Kilometer östlich von Calais auf einer Sandbank vor dem Strand der Gemeinde Marck. Wie der Sender Delta FM und das Online-Medium InfoMigrants melden, habe die Frau von der alarmierten Feuerwehr nicht reanimiert werden können und sei für tot erklärt worden. Sie habe, so die Präfektur, eine Rettungsweste getragen und offensichtlich versucht, nach Großbritannien zu gelangen. Es handle sich um eine eritreische Staatsangehörige in den Dreißigern.
Die Zahl der dokumentierten Todesfälle im nordfranzösischen Küstengebiet steigt nach unserer Zählung damit auf zwölf seit Jahresbeginn. Neun dieser Menschen starben im Zusammenhang mit Bootspassagen. Lokale NGOs weisen einmal mehr auf die Verantwortung der Grenz- und Migrationspolitik für die große Zahl der Todesfällen hin.