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Channel crossings

Eine Botschaft an den Kliffs

Projektion einer filmischen Botschaft von Hassan Akkad an die Steilküste von Dover durch die Künstlergruppe Led by Donkeys, 21. August 2020 (Quelle/Screenshot: Twitter)

Hassan Akkad ist ein syrischer Filmer, der vor fünf Jahren als Flüchtling nach Großbritannien kam. Zuvor hatte er in Calais gelebt und war lange vor dem aktuellen Anstieg der Channel crossings per Boot auf die Insel gelangt. Am 21. August 2020 projizierte die Gruppe Led by Donkeys einen Film auf die weißen Kreidefelsen von Dover, in dem Akkad zur aktuellen Situation Stellung nimmt. Led by Donkeys wiederum ist ein anonymes Kunstprojekt, das als Gegenbewegung zur konservativ-populistischen Brexit-Kampagne entstanden ist und seitdem mit satirischen und plakativen Mitteln politisch interveniert.

Screenshot der Videoprojektion von Led by Donkeys (Quelle/Screenshot: Twitter)

Fast auf die volle Höhe der Felsen projiziert, berichtet Hassan Akkad zunächst vom Leben auf der anderen Seite des Kanals. “These cliffs were actually visible from our makeshift camp and they represented hope. Hope that I would live a safe and stable life here in Britain having fled my war-torn country. Similar to those who are arriving recently, I had to put my trust in a people smuggler because a safe and legal option to seek asylum here was and still is unavailable.” Es folgen Aufnahmen der eigenen Bootspassage, und Akkad fährt fort: “Crossing the sea in a rubber dinghy is terrifying and devastating. Devastating because it makes you feel so helpless and insignificant. And I wouldn’t wish it on my worst enemy.”

Screenshot der Videoprojektion von Led by Donkeys (Quelle/Screenshot: Twitter)

Im Zentrum des Videos aber steht die Aussage: “Despite the growing number of people making the crossing to seek asylum here, Britain is not facing a refugee crisis.” Akkad lenkt den Blick von diesem Punkt an auf eine andere Krise, die er für die eigentliche hält: nämlich den verheeren Umgang der britischen Regierung mit der Corona-Pandemie und den katastrophalen Zustand des öffentlichen Gesundheitswesens, von denen die Aufregung um die Bootsflüchtlinge lediglich ablenke. Zum zweiten Mal unterbricht eine Einblendung die Videobotschaft. Sie zeigt Akkad als Reinigungskraft in einem britischen Krankenhaus, also an einem Arbeitsplatz im Zentrum dieser tatsächlichen Krise. Sich ihr gemeinsam zu widmen, ist die Botschaft der zweiten Hälfte des Videos.

Led by donkeys veröffentlichte einen Film der Aktion auf Twitter. Sofort griffen zahlreiche britische und einige internationale Medien die Aktion auf. In dieser Resonanz zeigt sich die hohe mediale Aufmerksamkeit für die Bootspassagen. Inzwischen ist die Zahl der auf diesem Weg seit Jahresbeginn nach Großbritannien gelangten Menschen auf etwa 5.000 gestiegen.