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Calais

Räumung am Krankenhaus

Räumung in Calais, 28. September 2021. (Quelle: Standbild aus einem Video der Human Rights Observers)

Fast genau vor einem Jahr, am 29. September 2020, fand in der Nähe des Calaiser Krankenhauses eine der größten Räumungen der letzten Jahre statt (siehe hier, hier, hier und hier). Nun, am 28. September 2021, war das Gebiet erneut von einer groß angelegten Polizeioperation betroffen, nachdem während des Sommers bereits das nahe gelegene Magnésia-Areal mehrmals geräumt worden war (siehe zuletzt hier).

Formal diente auch diese Operation dem Schutz der Betroffenen und ihrer Unterbringung (mise à l’abri) in Aufnahmezentren; sie hatte vordergründig also einem humanitären Charakter. Nach Angaben der Präfektur wurden „363 Einzelpersonen und 37 Familienangehörige“, insgesamt also 400 Menschen, mit 17 Bussen in solche Einrichtungen außerhalb von Calais gebracht. Vor der Räumung lebten auf dem Areal je nach Schätzung zwischen 500 und 900 Personen.

Lokalen Medienberichten zufolge ging die Räumung auf eine Intervention des Gemeindeverbandes Communauté d’agglomération Grand Calais Terres et mers, also öffentlichen Hand als Grundstückseigentümerin, zurück. Begründet wurde sie, wie viele Räumungen vor ihr, mit der angeblichen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Gesundheit. Gleichzeitig hatte sie jedoch auch eine nationale Bedeutung: Innenminister Gérald Darmanin gratulierte dem Präfekten am gleichen Tag für die Räumung, die „auf meine Veranlassung“ durchgeführt worden sei.

Gratulation des Innenministers an den Präfekten. (Quelle: G. Darmanin / Twitter)

Die Human Rights Observers dokumentierte erneut den gewaltförmigen Charakter der Operation. Wie sie dem Blog InfoMigrants berichteten, „war es offensichtlich, dass die Migrant_innen keine andere Wahl hatten, als in die Busse zu steigen. […] Sie wurden von der Polizei abgeführt, die in großer Zahl und schwer bewaffnet mit Schlagstöcken, Tasern und Tonfas dort war.“ Auch bei dieser Räumung verloren die Menschen viel an persönlichem Besitz und an lebenswichtigen Ressourcen. „Zelte, Planen und Kinderwagen wurden auf dem Gelände zurückgelassen“, einige Beamte hätten Koffer und Rucksäcke beschlagnahmt. Über das Fahrziel der Busse seien die Geräumten nicht informiert worden. Ein Video der Menschenrechtsgruppe zeigt, wie die Betroffenen zu den Bussen hin abgeführt werden.

Nach Zählung der Human Rights Observers ist es in Calais die fünfzehnte Räumung dieses Typs (mise à l’abri) seit Jahresbeginn; die Gesamtzahl aller von der Gruppe dokumentierten Räumungen in der Stadt beträgt im gleichen Zeitraum 883.