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Dunkerque & Grande-Synthe

Druck auf die Exilierten von Loon-Plage

Die Anfang Oktober errichtete Barriere im Camp von Loon-Plage. (Foto: Human Rights Observers)

Im September und Anfang Oktober 2022 wurde der Jungle in Loon-Plage bei Dunkerque einem verstärkten Repressionsdruck ausgesetzt: Der Turnus von Räumungen wurde beschleunigt, die Lebensverhältnisse und die gesundheitliche Situation verschlechterten sich, zivilgesellschaftliche Hilfe wurde sabotiert. Der zeitliche Beginn dieses erhöhten Drucks lässt vermuten, dass es sich um eine Antwort der Polizeibehörden auf die Gewalt und die Morde handelt, deren Schauplatz das Camp am 30. August und 6./7. September 2022 gewesen war (siehe hier, hier und hier).

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Calais

Gericht stoppt Hilfsverbote

Anlaufstelle für warme Mahlzeiten am Rand eines Camps zur Zeit vor den Verboten, Mai 2017. (Foto: Th. Müller)

Seit 2020 galt in Calais fast ununterbrochen ein Verbot kostenloser Wasser- und Nahrungsverteilungen an Exilierte, sofern diese Hilfe in bestimmten Teilen der Stadt und ohne staatlichen Auftrag erfolgte. Faktisch war es unabhängigen Organisationen damit untersagt, lebenswichtige Hilfe dort zu leisten, wo sie gebraucht wird: bei den Camps. Eine Klage der betroffenen Organisationen hatte nun Erfolg: Das Verwaltungsgericht in Lille hob die Verbotsverfügungen der Präfektur auf. Die Solidaritätsbewegung hat auf einem wichtigen juristischen Konfliktfeld damit einen Sieg errungen.

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Dunkerque & Grande-Synthe

Erneut ein Todesfall in Loon-Plage

Im Jungle von Loon-Plage bei Dunkerque starb am 9. August 2022 ein junger Geflüchteter aus dem Südsudan. Wie die Präfektur des Departements Nord und zivilgesellschaftliche Organisationen übereinstimmend berichten, ertrank der 22jährige nach einem versehentlichen Sturz in einen Schifffahrtskanal, der an der Rückseite des Camps vorbeiführt. Eine Sprecherin von Utopia 56 im benachbaten Grande-Synthe erklärte gegenüber der Presse, dass der junge Mann zum Kanal gegangen sei, „um sich zu waschen“. Die von anderen Geflüchteten gerufenen Rettungskräfte hätten nichts mehr für ihn tun können. Über die Identität des Mannes ist bislang nichts Genaueres bekannt geworden.

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Calais Dunkerque & Grande-Synthe

Konfisziertes Wasser

Abtransport eines beschlagnahmten Trinkwasserbehälters in Loon Plage, 20. Juli 2022. (Video: Human Rights Observers)

Der 19. Juli 2022 war auch in Nordfrankreich ein Tag mit extremer Hitze. Die Temperatur lag bei knapp 40°C und die Präfektur der Region Hauts-de-France und Nord verbreitete auf Social Media eine Serie von Infografiken über die Bedeutung des Trinkens und den Schutz vulnerabler Personen. Der Zugang zu Trinkwasser ist bei einer solchen Wetterlage in der Tat existenziell, für Hunderte Migrant_innen in Calais und bei Dunkerque aber nicht gegeben. Wir berichteten an dieser Stelle bereits mehrfach über den ungenügenden und zuweilen schlicht fehlenden Zugang zu Trinkwasser (siehe zuletzt hier). Ein aktuelles Beispiel ist die Beschlagnahmung eines Trinkwasserbehälters am Tag nach dem bisherigen Hitzerekord in Loon Plage bei Dunkerque, dem Standort eines der größten informellen Camps der Region.

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Calais Dunkerque & Grande-Synthe

900 Räumugen, aber kein Zugang zu Wasser

Sabotierter Trinkwasserbehälter in Calais, 18. Juni 2022. (Foto: Calais Food Collective)

Ende Juni teilten die Human Rights Observers mit, dass sie in Calais seit Jahresbeginn bereits 907 Zwangsräumungen informeller Lebensorte von Exilierten dokumentiert haben. Allein für den Monat Mai sind 165 Räumungen belegt. Im Jahr 2021 waren es mehr als 1.200 und 2020 etwa 1.000 Räumungen, jeweils im gesamten Jahr (siehe hier und hier). Die Anzahl der Vorjahre dürfte nun also bereits im Sommer erreicht werden und es scheint beinahe, so die Menschenrechtsgruppe, als wolle die Präfektur des Pas-de-Calais „ihren Rekord aus dem Vorjahr brechen“. Im krassem Gegensatz zu diesem Aufwand steht ein fehlender Zugang zur elemtaren Ressource Wasser.

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Calais Solidarität

Wasser ist politisch (3)

Wegräumen der Blockade, 23. September 2021. (Foto: Julia Druelle)

Zum zweiten Mal haben Exilierte und Freiwillige am Abend des 23. September 2021 die Barriere aus schweren Felsklötzen fortgeräumt, die von den Behörden kurz zuvor ebenfalls zum zweiten Mal erreichtet worden war. Mit den Steinen soll die Organisation Calais Food Collective daran gehindert werden, einen Tank anzufahren und zu befüllen, der für rund 600 bis 700 Bewohner_innen eines Camps der einzige Zugang zu frischem Trinkwasser ist. Mehrfach wurde der Tank außerdem von der Polizei zerstört (siehe hier und hier). „Dabei ist der Zugang zu sicherem und sauberem Trinkwasser ein Menschenrecht. Offenbar nicht in Calais“, so die Fotografin Julia Druelle, deren Bilder wir hier zeigen.

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Calais Solidarität

Wasser ist politisch (2)

Als das Calais Food Collective am 18. August 2021 einen Tank zur Versorgung eines Camps in der Calaiser Nachbargemeinde Coquelles mit Trinkwasser aufstellte, dauerte es einen Tag, bis ein Polizist den Behälter durch einen Schnitt sabotierte. Drei Wochen später blockierte die Gemeinde die Zufahrt, die für das tägliche Befüllen des Behälters benutzt wird, mit schweren Felsklötzen (siehe hier). Die groteske Auseinandersetzung um den Tank, der für die rund 600 bis 700 Bewohner_innen des Camps die einzige Trinkwasserquelle ist, geht weiter.

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Calais Solidarität

Wasser ist politisch

Durch CRS zerstörter Trinkwasserbehälter in Calais, 18. August 2021 (Foto: Calais Food Collective)

[Mit einem Update, 9. September 2021] Es kommt vor, dass ein einzelnes Detail eine komplexe Situation repräsentiert. Ein solches Detail ist ein wenige Zentimeter langer Messerschnitt durch die Wand eines Trinkwasserbehälters, den das Calais Food Collective vor einigen Tagen aufgestellt hatte.