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Benelux Corona

Unterkunft statt Obdachlosigkeit: Die Situation in Brüssel

Auch in Brüssel leben momentan ungefähr 500 Migrant_innen mit dem Migrationsziel Großbritannien. Die Corona-Pandemie veränderte auch ihre Lage. Zwar verschlossen die Behörden ihren wichtigsten Treffpunkt, den Maximilianpark. Dennoch wurde – anders als in Calais und Grande Synthe – rasch eine Unterbringungslösung für so gut wie alle realisiert.

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Calais Grande-Synthe

Drei Monate und 320 Räumungen

In den Monaten Januar bis März 2020 führten die Polizeibehörden in Calais und Grande-Synthe mindestens 320 Räumungen durch. In Calais waren es rund 100 Räumungen im Monat. Auch im März, als die Corona-Pandemie ausbrach, verringerte sich die Zahl kaum. Allein für die Zeit des Lockdown, der am 17. März begann, sind dokumentieren die Human Rights Obervers 45 Räumungen – und damit 45 vermeidbare Ansammlungen einer großen Zahl von Menschen. Die monatlichen Berichte der Gruppe vermitteln einen Einblick in Strukturen und Praxen einer auf Zermürbung zielenden Politik vor Beginn und am Anfang der Krise.

Posting der Human Rights Observers vom 23. März 2020 zu einer Räumung des Jungle von Calais während des Lockdown. Am rechten Rand des Bildes sind Zelte erkennbar, die während der Aktion abgestellt wurden, während ihre Besitzer_innen das Ende der Polizeiaktion abwarten.
(Quelle: https://twitter.com/HumanRightsObs/status/1242135838915473408)
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Benelux

Waremme bei Lüttich – Transitort nach Großbritannien

Waremme ist eine Kleinstadt in der Wallonie. Folgt man der Europastrasse 40 von Lüttich (Liège) nach Brüssel, passiert man den gleichnamigen Autobahnrastplatz. Seit mehreren Jahren nutzen Geflüchtete ihn, um sich dort in einem Lastwagen nach Großbritannien zu verstecken. Die E 40 führt in ihrem weiteren Verlauf über Brüssel und Oostende zu den Fährhäfen von Dunkerque und Calais. Anders als viele der Raststätten auf dieser Strecke ist diejenige in Waremme noch nicht durch Zäune und Klingendraht gesichert.

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Solidarität

Hilfe und Solidarität

In Calais und an anderen Orten leisten zahlreiche zivilgesellschaftliche Gruppen humanitäre und solidarische Arbeit. Angesichts der Krise tun sie dies unter erschwerten Bedingungen und sind mehr denn je auf Unterstützung angewiesen. Im folgenden sind Informationen und Links zusammengestellt.

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Calais Corona Grande-Synthe

Fragen aus Calais

Mit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie setzten Diskussionen und Spekulationen über eine mögliche Räumung des Jungle von Calais und der übrigen Camps ein. In diesem Kontext wurde Freitag, der 27. März, als ein möglicher Zeitpunkt genannt. Angesichts dieser Unsicherheit (und vor dem Hintergrund früherer Erfahrungen mit Räumungen, insbesondere der Räumung des größten Jungle im Oktober 2016) veröffentlichte die Hilfsorganisation Care4Calais eine Reihe akuter Fragen:

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Corona Grande-Synthe

„Never seen an inhumane situation like I saw yesterday“

Die belgische Ärztin Stephanie de Maesschalck reiste am 22. März 2020 nach Grande-Synthe bei Dunkerque, nachdem sie von einer katastrophalen Verschlechterung der Situation dort erfahren hatte.

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Calais

Vor der Epidemie – Calais im Februar 2020

7.-8. Februar 2020 [Recherche], 22. März 2020 [Artikel]

Wir besuchten Calais zuletzt am 7./8. Februar 2020 und haben daher ein eigenes Bild von der Situation einige Wochen bevor Corona zum alles beherrschenden Thema wurde. Zum Zeit unseres Besuchs hingegen sprach noch niemand davon.

Neu errichteter Zaun entlang der Route de Gravelines, Februar 2020 (Foto: Thomas Müller)
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Channel crossings

Vorgeschichte – Teil 3: channel crossings

Das am häufigsten genutzte Mittel, um den Ärmelkanal klandestin zu überqueren, war zumeist das Versteck in einem Lastwagen, seltener in einem Fernbus oder einem Zug. Hinzu kamen zu hohen Preisen angebotene Schleusungen mithilfe professioneller Schmuggeltechniken. Nachdem die Infrastrukturen des Frachtverkehrs um Calais inzwischen großräumig abgeschirmt und überwacht werden und weitere Häfen aufgerüstet wurden, hat sich die Suche nach einem geeigneten Lastwagen weit in das französische und belgische Hinterland ausgeweitet, reicht inzwischen bis in den Lütticher und Luxemburger Raum und berührte punktuell die deutsch-belgische Grenze bei Aachen. Dies änderte sich im Herbst 2018, als die Zahl der Bootspassagen sprunghaft zunahm.

Strand des Ärmelkanals östlich von Calais, Februar 2020 (Foto: Thomas Müller)
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Grande-Synthe

Vorgeschichte – Teil 2: Grande-Synthe

2016-2020 [Recherche], 21.3.2020 [Text]

Ähnlich wie in Calais, entwickelten sich rund um Dunkerque (Dünkirchen) informelle Camps. Von Dunkerque aus besteht die nach Calais zweitwichtigste französische Fährverbindung nach Großbritannien, doch befindet sich der Hafen weit außerhalb des Zentrums in der Nähe der Kleinstadt Grande-Synthe. Dort wuchs im Herbst 2016 ein Camp binnen weniger Monate von etwa 80 auf rund 2400 Personen an, die auf extrem morastigen Gelände unter widrigsten Bedingungen in Zelten lebten. Unter den meist irakisch-kurdischen Bewohner_innen befanden sich ein verhältnismäßig hoher Anteil an Familien und Kindern. Eine in zahlreichen Schilderungen betonte (vor allem sexuelle) Gewalt kennzeichnete das Camp zusätzlich und endete mit dessen Auflösung nicht.

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Calais

Vorgeschichte – Teil 1: Calais

2016-2020 [Recherche], 21.3.2020 [Text]

Die Vorgeschichte beginnt in den 1990er Jahren. Sie zu erzählen würde den Rahmen dieses Blogs sprengen. Und es ist auch nicht nötig, denn sie ist gut dokumentiert (grundlegend durch Michel Agier, siehe auch unseren Bericht bei bordermonitoring.eu).

Informationstafel zur Geschichte des Jungle (2015/16) am Rand seines heute gesperrten und teilweise renaturierten Geländes, Februar 2020 (Foto: Thomas Müller)