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Dunkerque & Grande-Synthe

Lebensbedingungen: Juristischer Teilerfolg in Lille

Von der Klage zum Urteil

Im November 2025 erregte die Klage von sechs NGOs – Médecins du Monde, Utopia 56, Salam, Roots, Human Rights Observers und Refugee Women’s Centre – vor dem Verwaltungsgericht Lille Aufmerksamkeit. Wie wir hier berichteten, forderten die Organisationen unter Berufung auf Art. L. 521-2 des Code de justice administrative (référé-liberté) Maßnahmen zur Sicherstellung grundlegender Bedürfnisse der Exilierten: Trinkwasser, Hygiene, Abfallentsorgung, Zugang zu Asyl und Schutz vulnerabler Gruppen. Das Urteil vom 4. Dezember 2025 (N° 2511276) markiert nun einen Teilerfolg – und eine klare Handlungsaufforderung an den Staat. Es unterstreicht, dass es in der Nähe der Lebensorte in der Region Dunkerque, wo die Zahl der Exilierten 2025 auf über 1.500 angestiegen ist, an elementarer Daseinsvorsorge fehlt, während die Behörden auf immer mehr Zäune und Räumungen setzen.

Verwaltungsgericht in Lille
Verwaltungsgericht in Lille (Foto: S.Zinflou)
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Jahr mit Fragezeichen


Wie entwickelt sich die Migration auf der Ärmelkanal-Route in diesem Jahr? Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle? Versuch einer Einschätzung, basierend auf einem Ortsbesuch im Dezember.

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Calais

Einschüchterung von Menschenrechts-Beobachter_innen

Weil sie sich angeblich zu nah an einem Bahngleis befanden, wurden zwei Freiwillige der Calaiser NGO Human Rights Observers Anfang April festgenommen und 17 Stunden in Polizeigewahrsam gehalten. Sie hatten einen Polizeieinsatz an einem informellen Lebensort von Exilierten in Calais dokumentieren wollen. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Menschenrechtslage in Calais, aber auch auf die Bedingungen, unter denen sie unabhängig beobachtet werden kann.

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Allgemein

Räumungen in 2024: Ein Überblick

Räumung informeller Lebensorte an den Quais der Calaiser Innenstadt, 2. Dezember 2024. (Foto: Calais Border Monitoring)

Die informellen Lebensorte der Exilierten in den Regionen Calais und Dunkerque waren im vergangenen Jahr über 800 mal Ziel polizeilicher Räumungen. Flankiert waren die Räumungen von Beschlagnahmungen und Festnahmen, der Zerstörung informeller Infrastrukturen und massiven baulichen Maßnahmen. Erstmals dokumentiert wurden in der Region um Boulogne-sur-Mer. Hier ein Überblick auf Grundlage der kontinuierlichen Beobachtung der Human Rights Observers (HRO).

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Dunkerque & Grande-Synthe

Vom Camp zur Zaunlandschaft

Zaunanlage bei Loon-Plage, Blick von der Nationalstraße nach Norden, Juli 2025. (Foto: Calais Border Monitoring)

Westlich von Dunkerque entsteht seit Herbst 2023 eine ausgedehnte Anlage aus Metallzäunen und anderen Barrieren (siehe hier). Es ist eine der größten antimigrantischen Architekturen an der nordfranzösischen Küste überhaupt. Die Anlage überzieht den Jungle von Loon-Plage und mit ihm den Ausgangspunkt für zahlreiche Bootspassagen nach Großbritannien. Die Investition von über 5 Millionen Euro bewirkte bislang jedoch lediglich eine Verlagerung des Camps um einige hundert Meter. Die katastrophale Versorgungs- und Sicherheitslage für die Bewohner_innen des Jungle dürfte sich eher weiter verschlechtern.

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Calais

Besetztes Haus in Calais geräumt

Seit Februar 2022 beherbergte ein besetzter Altbau in der Innenstadt von Calais obdachlose Migrant_innen, verbunden mit dem Anspruch, einen sozialen Raum jenseits von Nationalität und Status zu eröffnen. Das Projekt war im Oktober 2022 soweit legalisiert worden, dass es voraussichtlich bis 2025 hätte bestehen können (siehe hier, hier und hier). Am 2. Juli 2024 wurde es nun vorzeitig und nach Ansicht von Aktivist_innen rechtswidrig geräumt.

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Calais

Erneute Räumung in Calais

Das seit Jahren als informeller Lebensort genutzte Gebiet an der Grenze der Kommunen Calais und Marck war am 4. April 2024 erneut Schauplatz von einer größeren Räumung (zu früheren siehe hier, hier, hier und hier). Etwa hundert Menschen wurden in Aufnahmezentren außerhalb von Calais gebracht. Die lokale Menschenrechtsorganisation Human Rights Observers wirft den Behörden ein unverhältnismäßiges und inhumanes Verhalten vor.

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Calais Dunkerque & Grande-Synthe

Wieviele Räumungen in 2023?

Nach einer Räumung in Loon-Plage, Mai 2023. (Foto: Th. Müller)

Seit 2017 dokumentiert Human Rights Observers (HRO) polizeiliche Räumungen informeller Lebensorte im nordfranzösischen Küstengebiet. In den monatlichen Berichten der Organisation spiegelt sich die unfassbar hohe Zahl der Räumungen in Calais ebenso wie die Massivität der Räumungen bei Dunkerque. Für das Jahr 2023 liegen bislang nur unvollständige Zahlen vor. Dennoch möchten wir versuchen, das Ausmaß und die Intensität der Räumungen zu umreissen.

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Calais Dunkerque & Grande-Synthe

Simultane Räumungen, multiple Krise

Blick vom Camp Old Lidl zum Gewerbegebeit Transmarck, 27. November 2023. (Foto: Th. Müller)

Die wichtigsten Camps im nordfranzösischen Küstengebiet wurden am 30. November 2023 zeitgleich geräumt und über 1200 Menschen auf Aufnahmezentren in ganz Frankreich verteilt. Es war eine der größten Räumungen seit 2016 – und die erste simultan in Dunkerque und Calais durchgeführte. Wenige Tage vor der Räumung hatten wir Gelegenheit, uns einen Eindruck von der Situation in den betroffenen Camps zu verschaffen – es war eine Reise in ein Krisengebiet.

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Calais Dunkerque & Grande-Synthe

Massive Räumungen zu Beginn der kalten Jahreszeit

Räumung des Jungle von Loon-Plage, 19. Oktober 2023. (Foto: No Border Medics)

Nach der Räumung des Camps Old Lidl in Calais (siehe hier) führten die Behörden zwei weitere Räumungen durch. Beide galten dem Jungle in Loon-Plage bei Dunkerque – für viele Exilierte die letzte Station vor der Bootspassage nach Großbritannien. Innerhalb von weniger als zwei Wochen waren damit fast alle Geflüchtete, die in Nordfrankreich auf ihr Weiterkommen nach Großbritannien warten, von einer Räumung betroffen.